Diese Lieder wurden gespielt für Selina:

"Ich vermiss' dich... (wie die Hölle)" - Zlatko

"Around the world" - ATC

Aus der CD "Neue tolle Kinderhits":

Trau dich

Streicheln

Sonja Sorgenfrei

Manchmal kommt es anders

Saubär (bei diesem Lied ist sie für immer eingeschlafen im Krankenhaus...)

Beerdigung Selina Hübner am 14. 5. 2001 - 14.00 Uhr - Trauerrede

Liebe Familie Hübner, liebe Angehörige, liebe Trauergemeinde!

Wenn ich von dem Bild der biblischen Geschichte (Mk 4, 35-41: s. unten) ausgehe, dann heißt das heute für mich: Ich stehe selbst auf unsicherem, auf schwankendem Boden. Was soll ich Ihnen sagen? Wäre Schweigen nicht ehrlicher?

Mich läßt ihre Trauer auch selbst nicht los; seit ich von Selinas Tod gehört habe und wir am Donnerstag das erste Mal miteinander gesprochen haben. Und wenn wir heute an ihrem Sarg stehen, dann fühlen wir uns hilflos und ohnmächtig. Es hat alles nichts genutzt. Nicht die Kraft, die Sie ihr gegeben haben; nicht das Bemühen der Ärzte. Warum musste gerade sie sterben? Wir können und wollen uns mit diesem Tod nicht abfinden und sind sogar empört. Und wie die Jünger im Boot fragen wir: Herrgott, tu doch endlich was! Warum hilfst du denn nicht?

I.

Jesus war mit seinen Jüngern auf den See gefahren. Hinten in einer Ecke des Bootes hatte er sich schlafen gelegt. Aber schon nach kurzer Zeit wird der Abendhimmel unruhig, und ein schwerer Sturm kommt auf. Die Jünger bekommen es mit der Angst zu tun, die Wellen schlagen schon über Bord. Endlich wecken sie Jesus auf und schreien: Herr, hörst du nicht, wir können nicht mehr. Wir ertrinken!

Fühlen Sie sich, fühlen wir uns auch wie die Freunde auf dem untergehenden Boot? Die Wellen der Traurigkeit überschütten uns; wir drohen im Leid zu ertrinken.

Aber verstummen wir auch nicht, wie die Jünger nicht verstummt sind. Sondern nehmen wir Gott hinein in unser Fragen; rufen wir heute: Jesus, sieh doch, was hier passiert ist!

Und Jesus in der Geschichte, er stillt den Sturm mit Macht. Und Jesus heute, er sagt: Glaubt nicht, ich lasse euch jetzt allein. Auch nicht in dieser großen Not.

Wir wollen darauf vertrauen. Denn wir wissen ja: Jesus selbst hat die Not eines qualvollen Todes am Kreuz auf sich genommen, Gott in Jesus ging selbst so weit, über seine eigene Grenze hinweg. Dorthin, wo er nach menschlichem Ermessen nicht sein kann. Auch nicht auf neonbeleuchteten Krankenhausgängen und in Operationssälen.

Er hat das Dunkel des Leides und des Todes durchlitten, weil er uns Menschen nicht verlieren will, auch nicht an den Tod.

Und es gibt seitdem keinen Ort mehr, an dem Gott nicht wäre. Das mag ein Grund sein, ihm in Zukunft zu vertrauen.

II.

Was gibt uns heute noch Mut und Zuversicht?

Ganz gewiss das Leben von Selina, das, auch wenn es sehr kurz, doch auch außergewöhnlich war. Selina wurde am 9. Juli 1997 in Bad Soden Salmünster geboren und wurde am 7. September in Aufenau getauft. Seit August ging Selina in den Kindergarten. Sie war, das war auch dort schnell bekannt, ein besonderer Mensch. Fröhlich. Man hat sie sofort ins Herz geschlossen. Und selbst mürrische Menschen hat sie mit ihrer Lebensfreude angesteckt und sie zum Lachen gebracht. Wo sie mit dabei war, da wurde es hell. Sie war sehr stark, hatte viel Kraft, einen starken Willen. Wenn es Ihnen schlecht ging, hat sie Sie getröstet. Sie hat sehr intensiv und in dem Vertrauen gelebt, dass ihr nichts passieren könnte; war mutig, hatte grenzenloses Vertrauen; darin war sie Jesus ähnlich; anders als die Jünger im Bötchen.

Aber dann mit einem Male ist sie verstummt. Plötzlich hat sie ihre Fröhlichkeit, fast ihre Sprache verloren. Ihre Schmerzen verschwiegen. Kurz bevor für sie der Sturm ihres Leidens losbrechen sollte. Merkwürdig: die Bilder, die sie gemalt hat, bekamen ein ganz anderes Thema; die Sonne am Himmel, ein aufsteigender Drachen oder Schmetterling mit einem Gesicht, Bilder mit aufsteigenden Bewegungen... vielleicht trug sie eine Ahnung in sich, dass etwas anders werden würde.

Und immer wieder hat sie dieses Gesicht gemalt: der Mund, weder fröhlich noch traurig, aber irgendwie verstummt, leere Augen darin, ob sie sich selbst so gesehen hat, oder hat sie Gott so gesehen, der selbst traurig war, dass es ihr schlecht ging, und man nicht wusste, was sie hatte? Aber warum hat er nicht geholfen, nicht helfen können?

Vielleicht hat Gott mit diesem besonderen Menschen Selina nun etwas Besonderes vor, haben wir neulich abends überlegt. Und auch wenn wir keine genauere Antwort wissen, mag dieser Gedanke ein Trost sein am heutigen Tage.

III.

Wir dürfen glauben, liebe Angehörige, liebe Trauergemeinde, dass Selina nun in Gott, in der Liebe ist. Und mit Leben und Tod, das verstehen die (versteht ihr) Kinder ohnehin besser, ist es wie mit der Raupe, die sich mühsam mit ihren kleinen Füßen fortbewegt. Eines Tages dann verpuppt sie sich; wir denken dann: dass es mit der Raupe zuende ist. Aber dann geschieht das Wunderbare: aus der Puppe entschlüpft ein wunderschöner Schmetterling, farbenfroh, und er bewegt sich spielerisch über alle Mauern und Gräben hinweg.

Wir wollen glauben: Mit Selina verhält es sich jetzt ähnlich. Sie hat die Enge ihrer Vergänglichkeit hinter sich gelassen; sie ist verwandelt worden. Da, wo sie jetzt ist, da ist es hell, so wie bei den vielen Kerzen, die wir hier aufgestellt haben.

Und auch wenn wir Selina nicht sehen können, bleibt sie doch nahe, steht sie Ihnen in Träumen ohnehin vor Augen.

Und wissen wir Selina nun in Gott, dann ist sie vielleicht gerade im Gespräch mit ihm, wie er uns, wie er v.a. Sie, ihre liebe Familie, in Zukunft trösten kann.

Denn die Menschen, die uns starben, die stärken uns auch, bis wir uns alle einmal wiedersehen in Gott. Möge diese Aussicht Mut und Kraft geben, nach und nach auch wieder Schritte ins Leben zu gehen. Amen.

Markusevangelium Kap. 4, V. 35-41: Die Stillung des Sturmes 35 Und am Abend desselben Tages sprach er zu ihnen: Laßt uns hinüberfahren. 36 Und sie ließen das Volk gehen und nahmen ihn mit, wie er im Boot war, und es waren noch andere Boote bei ihm.

37 Und es erhob sich ein großer Windwirbel, und die Wellen schlugen in das Boot, so daß das Boot schon voll wurde.

38 Und er war hinten im Boot und schlief auf einem Kissen. Und sie weckten ihn auf und sprachen zu ihm: Meister, fragst du nichts danach, daß wir umkommen?

39 Und er stand auf und bedrohte den Wind und sprach zu dem Meer: Schweig und verstumme! Und der Wind legte sich, und es entstand eine große Stille. 40 Und er sprach zu ihnen: Was seid ihr so furchtsam? Habt ihr noch keinen Glauben?

41 Sie aber fürchteten sich sehr und sprachen untereinander: Wer ist der? Auch Wind und Meer sind ihm gehorsam!

Pfarrer Jochen Löber

An dieser Stelle ein riesen DANKESCHÖN an Herrn Pfarrer Jochen Löber. Er hat uns sehr viel Kraft und Zuversicht gegeben und war und ist immer für uns da. Wir sind ihm sehr dankbar - ohne ihn wäre die Zeit unerträglich gewesen. Alles was ihm in dieser Situation möglich war hat er für uns getan. Gott schütze ihn.

In Dankbarkeit - Familie R. Hübner, W. Hübner und G. Schneider

Folgende Kirchenlieder wurden für Selina gesungen:

Ich möcht', dass einer mit mir geht - Verse 1-4

Ich steh' an deiner Krippe hier - Verse 2, 3, 8

Ich bin getauft auf deinen Namen - Verse 1 und 2